Dieser Essay erschien zuerst in Englisch auf den INTBAU-Essay-Seiten und wurde uns freundlicherweise zu Verfügung gestellt.
DIE CELEBRATION-KONTROVERSE
Andres Duany, September 2001
Celebration ist möglicherweise die bekannteste, sicher jedoch die umstrittenste Ansiedlung der zweiten Generation des Neuen Urbanismus. Zusammen mit Harbor Town, Kentlands, Haile Plantation, Southern Village, Newpoint und Laguna West, entstand Celebration ungefähr 8 Jahre nach Seaside. Allen gemeinsam ist, daß sie sowohl Korrekturen für die Probleme und Defizite von Seaside anbieten, als auch dessen Verheißung erneuern.
Von Anfang an hat es Diskussionen um Celebration gegeben, einschließlich zweier umfangreicher Bücher (“The Celebration Chronicles” von Andrew Ross und “Celebration, U.S.A.” von Douglas Frantz und Catherine Collins) und zahlloser Artikel. Diese Diskussion beabsichtigt, die wichtigsten Fragen zu erläutern, wobei unterschieden wird zwischen den Absichten und Tatsachen des Entwicklungsplanes - und dem populären Sport des Schattenboxens gegen den dieses Projekt fördernden Entwickler, die Disney Corporation.
Celebration hatte einen sehr langen Reifeprozess, tatsächlich eine Urgeschichte. Die Geburtsstunde liegt in den späten 1960er Jahren, als die Disney Corporation in Florida, nahe der damals ruhigen Stadt Orlando, etwa 27.000 Hektar Land kaufte. In Folge des Erfolgs von Disneyland in Anaheim, begann Walt Disney damit, die Idee zu einem Freizeitpark der nächsten Generation zu entwickeln. Man sollte sich daran erinnern, daß das damalige (und im Vergleich zu heute weniger zynische) Design-Establishment Disneyland sehr schätzte. In Charles Moores einflussreichem Essay “You Have To Pay For The Public Life” (Perspecta 9/10 The Yale Architectural Journal) wurde Disneyland als Ersatz für den öffentlichen Bereich bezeichnet. Die Profession der Planer (auf dem technokratischen Höhepunkt; vor Jane Jacobs), war begeistert von der Bewältigung der Massen, den Schnittstellen zum Verkehr, und der erstaunlichen Einschienenbahn. Disneyland wurde gefeiert für den potentiellen Einfluss, den es auf bestehende Ansiedlungen ausüben könnte. Dieses Lob muss Walt Disney beeinflusst haben, denn er überlegte, eine bewohnbare neue Stadt mit dem Namen EPCOT (Experimental Prototype Community Of Tomorrow) in das Florida-Projekt zu integrieren.
EPCOT sollte die fortschrittlichsten Planungsmethoden verkörpern; tatsächlich war es die Art futuristischer Vision, die nur auf dem Höhepunkt des Raumfahrtprogramms vorstellbar gewesen ist (Cape Canaveral ist nur etwa eine Stunde entfernt). Es war ein bemerkenswertes Projekt, nicht zuletzt, weil es hätte gebaut werden können. Die Planungen waren so weit fortgeschritten, daß Grundrisse, Ansichten und ein Modell erstellt wurden, ebenso wie ein Kurzfilm mit Walt Disney, der das Projekt erläuterte. (Dieser Film wurde im Nachhinein den Designern von Celebration gezeigt.)
Disneys unerwarteter Tod 1966 unterbrach den Prozess, und der Generation der Verwalter, die ihm folgte, fehlte es entweder an der Vision oder dem Mut, ein urbanes Experiment dieser Größenordnung anzugehen, so daß alles in der Schublade verschwand außer dem Namen. EPCOT wurde eben noch ein Freizeitpark oder - um genauer zu sein eine Jahrhundertwende-Weltausstellung, wo unterschiedliche Länder durch Versatzstücke ihrer Architektur, Nahrungsmittel, Kunstgegenstände und Einwohner in den jeweiligen Trachten der Unterhaltung und Belehrung der Besucher dienen. EPCOT kann dies ziemlich gut, aber es ist nicht dafür gedacht, bewohnt zu werden, geschweige denn die Demonstration eines visionären Urbanismus.
Für einige Jahrzehnte war die Idee gestorben, bis jedoch eine neue Generation von Managern auftrat: die derzeitige unter Disney Co. CEO Michael Eisner, der ein Team zusammengestellt hat, welches es an visionärer Kraft mit Walt Disney aufnehmen kann. Er hat sich daran gemacht, das Potential des Unternehmens auszuschöpfen, einschließlich der Wiederbelebung der Idee, eine Modellstadt zu errichten.
Eisners erster Schritt war, in Amerika die Rolle eines Architekturförderers wieder herzustellen (Eisners Begeisterung für Architektur mag mit dem Entwurf des Appartements seiner Eltern durch Robert Stern zusammenhängen). Dies führte zu dem Vorbehalt, nur erstklassige Architekten mit der Gestaltung von verschiedenen Disney-Büros, Hotels und sogar einigen Park-Strukturen zu beauftragen. Unter der neu eingerichteten Disney Development Company arbeiteten ihr Präsident Peter Rummell, Wing Chao und andere als Architekturberater. Graves, Venturi, Stern, Gwathmey, Gehry, Isosaki und andere dieser Lichtgestalten entwarfen Gebäude. Der entscheidende Erfolg dieses Unternehmens ermutigte Eisner möglicherweise zur Wiederbelebung der Idee einer Neuen Stadt, jedoch einer, die sich kaum mehr vom ursprünglichen EPCOT unterscheiden könnte.
Manche behaupten, daß mit Celebration nie begonnen worden wäre, wenn es nicht darum ginge, den Wert von Disneys gewaltigem Landbesitz zu maximieren. Oder: nachdem jede nur vorstellbare Idee für Fahrgeschäfte, Hotels und Bürokomplexe positioniert worden war, gab es noch immer eine bemerkenswert große Freifläche. Eine weitere, verzwicktere Geschichte handelt von einem Szenario, in dem zwei neue Auffahrten einer Autobahn dieses Disney-eigene Land für die Entwicklung erschließen würden; jedoch nur, wenn ein Projekt der Qualität von Celebration vorgeschlagen würde (in Florida werden Seaside-typische Projekte gerne genehmigt). Beide Szenarien sind plausibel. Letzteres, sofern es zutrifft, wäre ein brillantes strategisches Manöver, weil für diese Autobahn ohnehin zwei neue Auffahrten vorgesehen waren; eine als neuer Zugang, zusätzlich zu einer mautpflichtigen Straße zum Flughafen, dem Greenway. Ähnlich hätte sich jede andere Entwicklungsgesellschaft in dem gewaltigen Spiel der Urbanisierung des Sunbelt verhalten. Daran ist nichts Ehrenrühriges.
Abgesehen von der Vorgeschichte und den aufwendigen Genehmigungsverfahren, zog sich die Gründung von Celebration ungewöhnlich lange hin, nämlich über acht Jahre. Zum einen wegen der gründlichen Überlegungen zu jedem Aspekt der Planung, vielleicht jedoch auch wegen der besonderen Vorsicht bezüglich der Verbindung zwischen dem damals makellosen Ruf Disneys und dem anrüchigen Gewerbe der Entwicklung Floridas.
Der Designprozess war nicht nur lang, sondern auch aufwendig. Für die Gestaltung von Celebration wurde ein neues Designteam zusammengestellt. Peter Rummell wurde von Arvida geholt, der angesehensten Landentwicklungs-Firma Floridas, um Disney Development zu leiten. Sein Assistent war Tom Lewis, ehemaliger Leiter des Florida Department of Community Affairs, selbst Architekt und mit einer langen Geschichte im öffentlichen Dienst. Sie begannen mit einem beschränkten Wettbewerb, um diejenige Firma zu finden, die dieses prestigeträchtige Disney-Projekt entwerfen würde. Eingeladen waren Robert A. M. Stern Architects, Gwathmey/Siegel & Associates, Duany Plater Zyberk & Company (DPZ) und Edward D. Stone, Jr. Es war abzusehen, was DPZ anbieten würde, aber zur offensichtlichen Überraschung des Disney Development Teams waren alle bis auf einen (Ed Stones) Entwurf ebenfalls neo-traditionelle Entwürfe (der Begriff, der gebraucht wurde, bevor “New Urbanism” üblich wurde). In Folge dieser Übereinstimmung (Ed Stones Entwurf war ein konventionelles Feriendorf) arrangierten die drei wohlwollenden Architekten (Duany, Stern und Siegel) in einer Konversation auf der Herrentoilette einen Vorschlag, gemeinsam einen Plan vorzubereiten. Lewis und Rummell waren in der Zwischenzeit auf die Idee gekommen, einen “Konsens-Plan” anzustreben. Kurz darauf fand deshalb eine Charrette im Büro von Gwathmey/Siegel statt. Keller Easterling, Co-Autor von “Seaside” und damals Angestellter von Stern, hatte großen Einfluss auf den Entwurf. Der resultierende Plan sah ein durchgängig gekurvtes Raster vor, einfach und elegant, welches jedoch - wie sich später herausstellte das Sumpfgebiet zu wenig berücksichtigte. Diese und andere Realitäten des Geländes führten zu den Änderungen, die schließlich den endgültigen Plan ergaben. (Diese frühen Pläne befinden sich in den historischen Akten des Celebration Verkaufsbüros.)
Zu diesem Zeitpunkt wurde das Projekt vom Genehmigungsprozess (in jeder Hinsicht ausgezeichnet betreut von Tom Lewis und dem Anwalt für Umweltfragen Bob Rhodes) verschüttet. In dieser Zeit wurden die Entwürfe für ein mögliches Disney Institut bearbeitet, in einem Wettbewerb zwischen KPF, Morphosis und Moore Ruble Yudell. Schließlich wurde ein Bauplatz außerhalb von Celebration gewählt. Als es Jahre später um die Detail-Entwürfe ging, sah das Team wie folgt aus: Robert A.M. Stern und Paul Whalen hatten die Leitung, assistiert von Dan Lobitz; Jacquelin Robertson und Brian Shea als Projektmanager. EDAW wurde mit der Landschaftsplanung beauftragt. Es war dieses Team, verstärkt durch Ray Gindroz vom U.D.A., welches die urbanistischen und architektonischen Mittel entwickelte, die zum endgültigen Design führten. Trotz der freundlichen Anerkennung durch Tom Lewis war DPZ hieran nicht beteiligt, allenfalls indirekt durch den Einfluss von Seaside (die Untersuchungen zu Seaside und New Point wurden von Robert Stern durchgeführt) und möglicherweise einigen Ideen aus dem ursprünglichen “Konsens-Plan”, welche über die Zeit gerettet wurden.
Die Umsetzung des Masterplans dieses Teams begann 1994. Wie alle Städte des New Urbanism bietet auch Celebration ein weites Spektrum von Mischnutzungs- und Wohnbebauungstypen, ein Netzwerk von Fußwegen und mindestens ein Stadtzentrum. Vorgesehen sind 8.065 Wohneinheiten, 3.100.000 Quadratfuß Gewerbeflächen, 2,125.000 Quadratfuß Verkaufsfläche einschließlich der Läden der Hauptstraße. Die Frage, ob Celebration eine Stadt des New Urbanism darstellt, stellt sich nicht mehr, da sie die Liste der Prinzipien der Charta ebenso komplett erfüllt wie jedes andere Projekt des New Urbanism. Die Kontroverse wurde auch nicht von den Puristen des New Urbanism ausgelöst, sondern von der sturen Entwicklungsindustrie, welche eventuell fürchtet, daß der Erfolg von Celebration möglicherweise die Spielregeln ändern könnte. Zum anderen das akademische avant-garde-establishment, starr vor Furcht, daß solch ein konservativer Entwurf tatsächlich zu einer respektablen und sozialverantwortlichen Ansiedlung führen könnte. Die Skepsis entsteht fortwährend an diesen Quellen, nicht am Ort des Geschehens.
Die Fakten sind, daß Celebration eines der aufwendigsten und vollendetsten Beispiel von Stadtentwicklung seit den 1930er Jahren ist. Die Vielfalt von Wohnbebauung in direkter Nähe zu Celebration bewegt sich in neuen Bahnen, da sie Mietwohnungen und Reihenhäuser umfasst, die sich nahtlos zwischen Einfamilienhäusern und recht kostspieligen Anwesen einfügen. Für einen Entwickler ist dieses Ideal eine riskante Angelegenheit. Wenige NU-Städte funktionieren so gut, während die konventionelle Vorort-Entwicklung nicht einmal bereit ist, die Möglichkeit anzuerkennen. Das große, von Mischnutzung geprägte Stadtzentrum beinhaltet Appartements über den Geschäften, eine Schule, eine Zweigstelle der Stetson University, ein Hotel, nützlichen Einzelhandel und Restaurants (nicht eines einer nationalen Kette); eine Bank, eine Kirche und jede Menge Bürofläche. Es gibt ein Kino mit einer Nacht-Bar und einen Eiscreme-Laden. Dieses Zentrum ist direkt verbunden mit einem See entlang eines öffentlichen Flussufers. (Celebration ist keine “Gated Community”. Die Sicherheitskräfte sind Angehörige der Osceola County Police Force.)
Natürlich hat auch Celebration Fehler. In Bezug auf Wohnen wurden zwei Fehler gemacht: einer in Bezug auf das Marketing, der andere bezüglich der Erschwinglichkeit. Zunächst gab es nicht genug Stadthäuser, um den Bedarf zu decken. Das ist ein verbreiteter Fehler in den New Urbanist Städten auf der grünen Wiese. Da es keine Beispiele für Wohnhäuser höherer Dichte so weit entfernt vom Zentrum gibt, kommt die Marktanalyse zu dem einzig möglichen Schluss, daß sich diese nicht verkaufen lassen. Diese Methoden lassen jedoch ausser Betracht, daß Stadthäuser so lange bedeutungslos sind, wie es keine Stadt gibt. Jedoch sind sie eine sehr beliebte Wohnform, wenn es eine Stadt gibt. Eine Reihe Stadthäuser zwischen vorstädtischen Parkplätzen hat den doppelten Nachteil keines großen Hinterhofes ohne die Entschädigung durch eine belebte Straße nach vorne heraus. Aber Celebration ist eine Stadt, und so waren die etwa 200 widerwillig errichteten Stadthäuser sofort ausverkauft, und im Zentrum kann es keine weiteren geben. Statt dessen werden sie jetzt in den Aussenbezirken gebaut, wo sie keinen Sinn machen. Es ist schwierig, nachträglich eine höhere Dichte zu erreichen. Daher ist es im Zweifelsfall ratsam, die theoretisch nötige Dichte zu ermöglichen, welche man im Falle zu geringer Nachfrage immer noch reduzieren kann.
Der zweite Fehler im Wohnungsangebot ist sozialer Natur, und damit auch ein PR-Problem. Es beinhaltet ein Gesetz des Staates Florida, wonach ab einer gewissen Größe eines Projektes ein bestimmter Prozentsatz der Wohnungen auch für geringe Einkommen erschwinglich sein muss. In den meisten Fällen ziehen die Entwickler es vor, eine vom Gesetz vorgesehene Ersatzzahlung zu leisten, anstatt die entsprechenden Wohnungen zu bauen. Die Agentur unterstützt diese Praxis, weil sie es gestattet, die Häuser dicht zusammengedrängt zu bauen, was deren Verwaltung erleichtert. Nach den Standards des New Urbanism ist dies verantwortungslos, da es die soziale Segregation fördert. Im Falle von Celebration war dies sicherlich eine verpasste Gelegenheit. Um auf eine Menge Kritik bezüglich der Erschwinglichkeit zu reagieren, so ist diese (wie in allen NU-Siedlungen) die Folge starker Nachfrage und nicht die des ursprünglichen Preises. Nebenbei bemerkt ist es für Celebration inzwischen schwierig geworden, all die Lehrer, Babysitter und Dienstleister zu beherbergen, auf die eine moderne 24/7-Gesellschaft angewiesen ist. Um Disney Fairness widerfahren zu lassen: Celebration ist in einem Landkreis gebaut worden, in dem es einen Überfluss an erschwinglichem Wohnraum gibt. Die gewählten Vertreter des Kreises haben Disney gegenüber sehr deutlich gemacht, daß sie keine Billig-Häuser (weniger als 125.000 USD) in Celebration wollten.
Abgesehen von dieser Kritik bedeutet der Plan für Celebration einige wichtige Verbesserungen gegenüber dem Seaside-Plan. Es wurden echte Gassen zum Parken (schmale Wege auf der Rückseite der Häuser; Anm.d.Ü.) geschaffen (in Seaside wurden die wenigen geplanten Gassen privatisiert), und die Privatheit der Gärten hinter dem Haus wurde durch Hinterhäuser gesichert (solche Privatheit außerhalb des Hauses wird in Seaside vernachlässigt). Auch gibt es Instrumente, den Erwerb von Häusern zu reinen Ferienzwecken zu verhindern (was in Seaside ein offensichtliches Problem darstellt). Ebenfalls von Seaside hat man gelernt, daß manche Häuser zu Spekulationsobjekten anstatt zu Heimstätten wurden, so daß in Celebration auch dieses kontrolliert wird: der Teil des Preises eines Gebäudes, welches innerhalb eines Jahres nach der Fertigstellung weiterverkauft wird und den regulären Preisindex übersteigt, fließt zurück in die Celebration Foundation. Dadurch wurde Celebration zu einer Vollzeit-Gemeinschaft anstatt zu einem Feriendorf. Diesem Erfolg sollten jene Kritiker Beifall zollen, die statistische Ideale von NU-Gemeinschaften einfordern. (Ich war erfreut, daß neben dem Grundstück, welches ich für Forschungszwecke erwarb (s.u.), Häuser von einer schwarzen Familie und einem homosexuellen Paar bewohnt werden. Diese zufälligen Vorkommnisse werden von denen als hoch bedeutsam eingestuft, die Urbanismus bloß nach dem Anteil von Unterschiedlichkeit bewerten.) Dieser Umstand, der zu weniger Nachfrage und folglich zu geringerem Landwert führt, ist nicht die übliche Politik eines profit-orientierten Entwicklers (obwohl es in Celebration auch das gegeben hat). In dieser Hinsicht ist Celebration ein Widerschein des idealistischen, jedoch kaum jemals angewandten Wirtschaftsmodells Ebenezer Howards.
Eine belanglose Diskussion wurde durch einen Artikel in der New York Times aufgebauscht, und muss deshalb hier angesprochen werden. An die Details kann man sich kaum erinnern, was bleibt ist ein genereller Eindruck repressiv väterlichen Verhaltens seitens Disney. Der gesunde, journalistische Instinkt des Autors ändert jedoch nichts daran, daß der Artikel aus rein ideologischer Motivation heraus entstand. Tatsächlich gab es Widerspruch von Eltern aus Celebration gegen den Lehrplan der örtlichen Schule. Diese Unzufriedenheit wurde von der New York Times mit dem Versagen der Gemeinde gleichgesetzt, tatsächlich war es jedoch ein Symptom für etwas ganz anderes. Daß sich Anwohner bei einer Meckerei verbünden, ist ein Anzeichen für ein gesundes Gemeinwesen (siehe Baumgartner “The Moral Order of the Suburb”) und das Ergebnis ist ein Indiz für die tatsächliche Kräfteverteilung. Die Einwohner von Celebration waren eben konservativer als die Entwickler und hielten nichts von dem Lehrplan, den die Harvard School of Education (und andere; es ist übliche Disney-Praxis, für sämtliche Unternehmungen mehrere Berater zu konsultieren) aufgestellt hatte. Die Einwohner setzten schließlich die Änderung des Lehrplanes der öffentlichen Schule durch, und zeigten, daß allgemeine Geschäftsbedingungen nicht immer zum Vorteil des Entwicklers sind, wie dies sonst in ähnlichen Eigentümergesellschaften überall in den USA der Fall ist; jene, welche offensichtlich unterhalb des Wahrnehmungshorizontes unserer Intelligenzija existieren, abgelenkt wie sie sind durch wichtigere Fragen freien künstlerischen Ausdrucks.
Ein interessanter und zulässiger Fragenkatalog besteht zum Einzelhandel. Dieser wird innerhalb der Entwicklungsindustrie heftig debattiert. Es geht hierbei um eine Main Street, die zu Beginn des Projekts bereits vollständig erstellt wurde, um den Einzelhandel für die Bevölkerung sicherzustellen, bevor genug Menschen vor Ort waren, diesen auch rentabel werden zu lassen. Einige dieser Geschäfte haben aufgegeben, was manche dazu veranlasste, die Entscheidung, Einzelhandel zu schaffen, grundsätzlich - oder stichhaltiger: die Positionierung - in Frage zu stellen, da die Main Street im Zentrum der Gemeinde angelegt ist, weitab vom Verkehrsstrom, der am Rand der Gemeinde vorbeifließt. Aufgrund der Finanzkraft Disneys nehmen manche an, daß die überlebenden Geschäfte von Disney kräftig subventioniert werden. Dies ist nicht der Fall, was unter anderem daran zu sehen ist, daß einige der nettesten Geschäfte schließen mussten (eine Bäckerei, eine Buchhandlung und ein Fahrradladen). Tatsächlich werden die Geschäfte zentral verwaltet, die Händler werden gezielt ausgesucht, wie in jedem anderen modernen Einkaufszentrum auch. Die Fördermittel sind nicht höher als jene, die erste Pächter in konventionellen Einkaufszentren erhalten, um das Geschäft ans Laufen zu bekommen. Diese “Hilfsgelder” werden auch in Celebration irgendwann eingestellt. Wie auch immer, die Main Street in einer NU-Gemeinde ist nicht in erster Linie auf Gewinn ausgerichtet. Sie spielt die Rolle einer grundsätzlichen Annehmlichkeit. Sie ist das Marketing-Equivalent zu Clubhaus und bewachter Zufahrt der konventionellen Suburb-Siedlung, von denen kein Entwickler einen Gewinn erwartet (und wird im Budget auch so behandelt).
Wie dem auch sei, die Main Street in Celebration wurde im Zentrum der Gemeinde angelegt, ohne Anschluss an die wirtschaftliche Energie des regionalen Verkehrs, jedoch bedeutet sie “zu-Fuß-in-die-Stadt”-Qualität für eine beträchtliche Anzahl der Einwohner, und besonders die Kinder. Die Kritik, daß die Geschäfte nicht im Zentrum hätten angelegt werden sollen, ist nach ökonomischen Prinzipien gerechtfertigt. Entlang des Highway wären sie sicherlich vom ersten Moment an profitabel gewesen. Hätte man sie jedoch dort angelegt, hätte der Regionalverkehr vermutlich die Main Street überflutet und damit deren Bedeutung als sozialen Kondensator der Gemeinde untergraben. (Nebenbei bemerkt ist z.B. Route 192 eine brutale Einkaufsstraße; etwas in dieser Art hätte die Ortsqualität der Main Street zerstört.) Das Ergebnis hätte ein ähnliches wie in Seaside sein können, wo das Stadtzentrum ein regionales Ausflugsziel geworden ist. Eine große Zahl von Auswärtigen stützt das relativ cosmopolitane Angebot der lokalen Händler, jedoch überfluten sie die Einwohner und mindern den Eindruck von Gemeinschaft.
Eine genauere Betrachtung des Plans zeigt jedoch, daß es tatsächlich keine andere Möglichkeit gab. Der Highway, wo das Stadtzentrum hätte angelegt werden können, ist durch einen weiteren Expressway con der Gemeinde abgeschnitten. Zudem ist diese unbehagliche Restfläche zwischen zwei regionalen Passagen für ein Industriegebiet vorgesehen. Vier zentrale Bürohäuser von Also Rossi, Celebration Health und eine Dependance des Florida Hospital von Robert A.M. Stern sind fertiggestellt, weitere Gebäude, welche die Versorgung mit Arbeitsplätzen sicherstellen werden, stehen kurz vor Baubeginn. Es besteht weiterhin das Problem, daß es für die Angestellten in diesen durch eine mautpflichtige Straße abgeschnittenen Gebäuden nicht möglich ist, zu Fuß zum Mittagessen auf der Main Street zu gehen; es ist jedoch keine bessere Lösung möglich. Unter diesen Aspekten ist Celebration das, was wir einen “unglücklichen Standort” nennen.
Die schwache Geschäftsdichte der Main Street ist ein anderer Beweis für die relative Macht der Einwohner. Disney könnte den Erfolg der Geschäfte dadurch sicherstellen, indem man die Main Street von Celebration dem Programm des Freizeitprogramms hinzufügt. Obwohl die Händler danach verlangten, entschieden die Einwohner dagegen und Disney fügte sich; gegen die eigenen wirtschaftlichen Interessen.
Abseits dieser Kontroversen gibt es vom Celebration-Mangement einiges zu lernen. Beispielsweise gibt es auf der Main Street vier Restaurants unterschiedlicher Preisklassen. Das teuerste ist ein “Weiße-Tischtücher-und-Wein”-Unternehmen für besondere Anlässe, während das günstigste ohne weiteres auch für Familien erschwinglich ist. Dies ist nicht die übliche Situation. Die meisten Küsten-Restaurants in Florida sind entweder sehr teuer oder bieten billige Touristen-Snacks an. Wenn Vielfalt angebracht ist, kann das Management dafür sorgen, daß sowohl gewöhnliche als auch nützliche Dinge erhältlich bleiben. Die Alternative ist die in den meisten historischen Orten übliche Mischung aus T-Shirt- und Andenkenläden und billigen Kneipen. Solche Läden mögen wirtschaftlich überleben, für gewöhnlich decken sie jedoch nicht den Bedarf der ansässigen Bevölkerung. Celebration bewahrt die traditionelle Main Street mit nützlichem und gewöhnlichem Einzelhandel bloß durch modernes Center-Management. Dies, so scheint es, ist die Zukunft.
Auch andere Management-Praktiken in Celebration werden diskutiert. Eine hängt zusammen mit politischen Implikationen, eine andere mit den tatsächlichen Ergebnissen.
Kritiker bezeichnen ein Management wie in Celebration gerne als Privat-Regierung. Dieser bedenkliche Begriff impliziert auf geschickte Weise eine Abspaltung von den Verfahrensweisen der amerikanischen Demokratie. Dies ist nicht der Fall. Die Eigentümergesellschaften in Celebration (es gibt zwei: eine der Einwohnerseite, und eine der Geschäftsseite. Erstere wird in der Zukunft vollständig von den Einwohnern kontrolliert. Die Wirtschaftsgesellschaft wird vermutlich weiter von Disney kontrolliert werden. Main Street bedarf ebenso wie anderer moderner Einzelhandel eines zentralen Managements, um wettbewerbsfähig zu bleiben.) sind tatsächlich eine weitere Ebene der Regierung, welche die Einwohner freiwillig eingesetzt haben. Es schließt die Gültigkeit der übergeordneten Behörden von Landkreis, Bundesland und Staat nicht aus. Tatsächlich unterscheidet sich die Eigentümergemeinschaft von Celebration nicht von den anderen 200.000 Eigentümergemeinschaften, die üblich sind für die Nachkriegs-Suburbs (diese Zahl umfasst nicht die in Innenstädten immer üblicher werdenden Verwaltungsgesellschaften, oder die diesen ähnlichen Eigentümergesellschaften im Eigentumswohnungsbau.) Diese Gesellschaften sind vertragsgemäß städtische Regierungen. Beim Hauskauf erklären die Einwohner, ein festgelegtes Regelwerk von Rechten und Pflichten zu befolgen. Ist dies weniger rechtens als in eine Stadt zu ziehen, deren Gemeindesatzung zu lesen einen niemand erinnert hat? Und wie steht es mit dem Umstand, in ein Regierungssystem hineingeboren zu werden? Wie fair ist das? Eines Tages wird auch Celebration, so wie praktisch jedes andere Entwicklungsprojekt seit den 1920er Jahren, als Stadtgemeinde eingetragen, mit der Gesellschaft als Ausgangsebene.
Was die Regierungs-Debatte in Celebration verschlimmert ist, daß in diesem Fall die Kontrollinstanz von einem enorm mächtigen Unternehmen dargestellt wird. Mit diesem Umstand habe ich vor drei Jahren experimentiert, als ich ein Grundstück in Celebration erwarb, ein Haus entwarf und um eine Baugenehmigung ersuchte. Gleichzeitig durchlief ich den gleichen Prozess in meiner Heimatstadt Coral Gables in Florida. Es stellte sich heraus, daß meine Erfahrungen in Celebration weitaus besser waren als die, welche man von der Verwaltung einer Oberklasse-Stadt wie Coral Gables hätte erwarten sollen. Die Details würden hier den Rahmen sprengen, es blieb jedoch der Eindruck, daß amerikanische Stadtverwaltungen auf die Bedürfnisse ihrer Einwohner deutlich weniger reagieren als ein amerikanisches Unternehmen auf die Bedürfnisse seiner Kunden. Der Mangel an Kompetenz und Bereitwilligkeit im öffentlichen Sektor ist in der Privatwirtschaft hinlänglich bekannt. Nebenbei kann Missmanagement eines Unternehmens innerhalb einer Vertragsbeziehung leicht durch Vergleich oder Androhung eines Gerichtsverfahrens begegnet werden. Eine Stadtverwaltung ist gegen Rechtsmittel normalerweise immun, es sei denn, es handelt sich um konzertierte politische Aktionen; ein recht arbeitsaufwendiges und langwieriges Unterfangen unsicheren Ausgangs, kaum gerechtfertigt durch die vielen kleinen Demütigungen, welche die Amerikaner von ihren Stadtverwaltungen zu ertragen gelernt haben.
Letztlich muss man Celebration auf die Art bewerten, auf die jeglicher Urbanismus bewertet werden muss: nicht durch Fotos und Kurzbesuche (welche für Architekturkritik ausreichen), sondern durch das längerfristige Bewohnen eines Ortes (die Autoren der erwähnten Bücher haben lange in Celebration gelebt. Aus diesem Grund sind ihre Bücher lesenswert.) Verbessert die Stadt das tägliche Leben? Kann sie das Auf und Ab des Alltags beherbergen? Ich habe mehrere Tage in Celebration damit verbracht, die diversen Morgenkaffees zu vergleichen, die verschiedenen Gemüsehändler und Tageszeitungen, und die Atmosphäre der Gastronomie. Ich habe sogar die Wartungs- und Sicherheitskräfte ausprobiert, indem ich mich in abgemilderter Form damit beschäftigte, Müll auf die Straße zu werfen und die Straßenmöblierung zu beschädigen (das Ergebnis war erfreulich: Ich wurde nicht verhaftet und die Schäden umgehend beseitigt). Ich schloss mich Gruppen von Kindern und Senioren an; und ich fand heraus, wie lange ich nachts draußen bleiben konnte (in der Nachbarschaft des Kinos waren Martinis bis Mitternacht von einer zufriedenstellend flirtfreudigen Kellnerin erhältlich). Der Celebration-Test brachte gute Ergebnisse, und besonders gute im Vergleich zu Entwicklungen ähnlichen Alters; so sollte Urbanismus getestet werden. Ich kann nicht sagen, wie New York war als es noch New Amsterdam hieß, aber Celebration ist sicherlich Klassen besser als Miami am 6. Geburtstag (Gründungstag war der 18. November 1995). Für den Urbanismus ist Zeit ein entscheidender Faktor; ein Faktor der in der gegenwärtigen kritischen Beurteilung des New Urbanism viel zu wenig beachtet wird.
Die andere Kontroverse bezüglich Kontrolle handelt von Architektur. Sie kreist um das “Celebration Pattern Book”, zusammengestellt von Ray Gindroz und U.D.A. Dieses Dokument ist von einer völlig anderen Art als jenes, welches den Seaside-Code festlegte, und tatsächlich anders als jeder Code, der jemals geschrieben oder gezeichnet wurde. Es besitzt eine Präzision, Klarheit und Vollständigkeit, die jedem Respekt abnötigen sollten, der sich die Mühe macht, es interessehalber zu studieren. Jedoch gerade diese Vollständigkeit wird kritisiert. Zusätzlich zu den Bedenken der Architekten, die ihr Vorrecht auf Kreativität verletzt sehen, kann man die legitime Frage stellen, ob es dem Urbanismus zuträglich ist, wenn die physische Erscheinung so präzise vorgeschrieben wird. Um den Architekten zu antworten: Warum ist es kein Beschwerdegrund, wenn ein einzelner Architekt alle Gebäude entwirft? Was ist das Problem, wenn es Regeln gibt, welche die Entwurfsarbeit auf eine Vielzahl von Architekten verteilt, die unter anderen Umständen nicht beteiligt würden. Solche Bedenken sind reflexhaft und erfordern keinerlei weitere Beachtung, jedoch gibt es eine interessante Frage zu Kompromissen bezüglich der Qualität. Viele kreative Möglichkeiten werden durch Codes ausgeschlossen, ebenso jedoch unterdurchschnittliche Leistungen und Kitsch. Es ist allgemein bekannt, daß Codes zwar die Grundlinie anheben, zwangsläufig jedoch die Spitze absenken. Ein Code funktioniert wie eine Sinus-Kurve, die symmetrisch den Ausschlag zwischen dem brillanten und dem trübseligen kontrolliert. Auch wenn keines der Gebäude in Celebration an die Qualität der besten Gebäude in Seaside heranreicht, fällt auch keines auf das Niveau von Kitsch herab. Dies hat seine Ursachen möglicherweise im weniger stringenten Code von Seaside, welcher bessere, ebenso jedoch auch weit schlechtere Gebäude ermöglicht. In Seaside gibt es Gebäude von Rossi, Holl, Chatham, Berke, Machado, Silvetti, Gorlin, Merrill, Mockbee und Krier alle nach dem Code es gibt jedoch auch Gebäude, die davon profitieren würden, von einem Hurricane zerstört zu werden.
Ein Code ist ein neutrales, anpassbares Instrument; es kann jedoch das außergewöhnlich Schlechte nicht verhindern, ohne gleichzeitig das außergewöhnlich Gute zu beschränken. Die Anwendung des “Celebration Pattern Book” hat zu einer gleichmäßig guten Architektur geführt, jedoch nicht zu mehr. Dieses Problem wurde durch die zwei Dutzend öffentlichen und Bürogebäude im Zentrum abgemildert, die nicht dem Code unterworfen sind zumindest nicht im üblichen Sinn. Für diese Gebäude wurde der alte Stab der Disney-Starchitekten eingeladen, unter dem Thema “kleine Südstaatenstadt” zu arbeiten. Diese arbeiteten zusammen in Zyklen gegenseitiger Kritik, um die nötige Kompatibilität zu erreichen, die der Code normalerweise vorgibt, und die Urbanismus benötigt. Somit repräsentiert Celebration zwei Arten von “Coding”: das “Pattern Book”, das ähnlich den Bauhandbüchern des 19ten Jahrhunderts funktioniert; und die organische Methode, wie sie in kollegialen Kreisen der 1920er Jahre üblich war, jedoch später vom manischen Individualismus des Modernismus untergraben wurde.
Die Annahme, das “Pattern Book” würde Architekten unnötig machen und es wäre Geldverschwendung, überhaupt noch einen einzustellen, ist korrekt. Trotzdem bleibt es ein wichtiges für all die nur zu üblichen Fälle in der amerikanischen Bauindustrie, in denen ohnehin kein Architekt beauftragt wird. In der Zwischenzeit können wir uns auf ein neues Kapitel des Pattern Book freuen, welches zwar noch nicht gedruckt, jedoch bereits benutzt wird, in dem modernistische Muster für Bürogebäude zu finden sein werden. Dieses wird den bereits vorhanden sechs Kapiteln über traditionelle Stile hinzugefügt.
Ein weiterer Kritikpunkt (der nicht von dauerndem Interesse sein wird) ist die Qualität der Konstruktionen. Einige der frühen Einwohner beschwerten sich über Dinge, die sie als minderwertig wahrnahmen. Das ist verständlich, aber unfair. Die Qualität in Celebration war ähnlich der in preislich vergleichbaren, anderen Entwicklungen. Die Enttäuschung entstammte vielmehr dem, was man von einem Disney-Produkt erwartete. Disney wird als Schöpfer perfekter Umgebungen wahrgenommen, und diejenigen, die Häuser erwarben, ließen den Kontext Floridas außer Betracht. In jedem Fall wurden Korrekturen vorgenommen, und Wohnhäuser in Celebration überbieten derzeit die Norm, sowohl handwerklich als auch hinsichtlich der Entwurfsqualität.
Nach der schwierigen Anfangsphase haben die beteiligten Baufirmen gelernt, wie man traditionelle Häuser baut; und vor allem haben sie gelernt, daß diese sich verkaufen lassen vor allem im Kontext traditioneller Straßen innerhalb fußläufiger Nachbarschaften. Diese Baufirmen erstellen inzwischen NU-Gemeinden an anderen Orten, und viele andere tun es ihnen gleich. Die Liste wird ständig länger, und sie umfasst einige große Unternehmen.
Viele, die an Celebration mitgearbeitet haben, beeinflussen weiterhin die Entwicklungs-Industrie. Die anschließenden Errungenschaften der Designer sind hinlänglich bekannt. Peter Rummell ist CEO der St. Joe Company geworden, der größten Immobiliengesellschaft in Florida. St. Joe, die Arvidia übernommen haben, ist dem New Urbanism verpflichtet und leistet derzeit großartige Arbeit in Watercolor (direkt neben und eine Erweiterung von Seaside) als auch an einem halben Dutzend anderen und bekannten Orten. Celebrations erster Stadtarchitekt, Joe Barnes, ist inzwischen Generalmanager von l’On. Eine Gruppe von Beratern hat sich zusammengetan und firmiert nun unter dem Namen Celebration Associates. Tom Lewis ist Vize-Präsident von Walt Disney World und wohnt in Celebration. (Möglicherweise schreibt er jetzt ein Buch über Celebration. Er ist so offensichtlich stolz auf das Erreichte, daß man befürchten muss, daß es etwas überschwenglich wird.)
Celebration verspricht, die einflussreichste neue Stadt seit Radburn, N.J. zu werden; jenes Projekt, welches 1927 die Sackgasse und den Verkehrs-Sammler nach Amerika brachte. In Florida ist dies offensichtlich; ähnlich den stärkeren Wellen nahe am Einschlagsort, die ein ins Wasser geworfener Stein verursacht. Eines Tages werden die Entwickler durch das strömen, was derzeit das aussagekräftigste Modell des Neuen Urbanismus darstellt.
Trotz dieser Aussicht bleibt die Frage bestehen, ob es wirtschaftlich möglich ist, etwas wie Celebration zu bauen, wenn man nicht über die Finanzmittel eines Konzerns wie Disney verfügt. Die Antwort ist ja; sogar die Main Street ist wirtschaftlich machbar. Das belegt ein Abstecher nach Haile Plantation im nahegelegenen Gainesville. Diese hervorragende NU-Gemeinde wurde unter üblichen Bedingungen entworfen und ausgeführt von Robert Kramer. Haile Plantation, in jeder Hinsicht ebenso vollendet wie Celebration, sollte ein integraler Bestandteil jeder Studienreise werden, so daß man sich aus dem Einsatz für den Neuen Urbanismus nicht damit herausreden kann, daß Celebration zwar eine tolle Sache sei, jedoch nur Disney sich so etwas leisten könne.
Aber warum macht die Celebration Company (respektive die derzeitige Mutterfirma Disney Imagineering) nicht weiter mit dem Bauen neuer Städte? Die Antwort ist einfach. Trotz allen Erfolgs ist der Aufwand für die Entwicklung Celebrations nicht annähernd so profitabel wie die Produktion eines einzigen Disney-Films mit nur mittelmäßigem Kassen-Erfolg. Für Disney ist es nicht vernünftig, Ressourcen für die Entwicklung neuer Städte abzustellen. Aber für den Rest von uns ist es das.
© Andres Duany, 2001
© der Übersetzung: Umbau-Verlag, 2005