architecture & urbanism


Theodor Henzler

Das Öko-Soziale Siedlungsmodell

Das zunächst Auffallende an einem Siedlungstyp wie diesem ist, dass einem der Begriff Reihenhaus einfällt. Vielleicht erkennt man noch, dass die einzelnen Häuser individuell gestaltet sind, aber dass das öko-soziale Siedlungshaus mit dem Wesen des Reihenhauses fast nichts zu tun hat, wird vielleicht erst durch eine Beschreibung, wie sie nun folgt, deutlich.

Grundeigenschaften

In allen Menschen unserer Zeit wirkt das Leitbild, dass das freistehende Einfamilienhaus die ideale Wohnform wäre. Diese Vorstellung entspringt dem Unbewussten, denn rational spricht allzu vieles gegen diesen Haustyp. Das Bild leitet sich ab vom Schlösschen in einem Park. Nun stellt diese Vorstellung zweifellos eine schöne Vision dar, welche auch regelmäßig in emotionalen Filmen in aller Breite verwendet wird. Symbolisch entspricht das Bild dem Lebensstil des absolutistischen Schlossherrn oder patriarchalen Fabrikbesitzers. Das würden wir mit einem Teil unseres Gefühls allzugerne sein und wir verdrängen damit auch das Bild, dass damit die Distanzierung zum Nachbarn verbunden ist. Ein anderer Teil unseres Gefühls, das sich auf Solidarität, Mitmenschlichkeit und Kommunikation stützt, geht dabei weitgehend verloren.

Das freistehende Einfamilienhaus hat also die Idee vom Schlösschen auf eine heute machbare Größe verkleinert, enthält aber noch alle Gestaltmerkmale des Schlosses im Park. Die Thujahecke mit Zaun rings um das Grundstück entspricht der Schlossparkmauer. Der englische Rasen mit Parkbäumen erinnert an den Park. Ein Quergiebel am Haus mit auffällig symetrischer Fassade ahmt den Schlossprospekt im Kleinen nach. Und das Ergebnis hat dann nicht nur die Symbolik der Distanz zum Nachbarn sondern es entsteht auch tatsächlich die Wirkung der Kommunikationsfeindlichkeit innerhalb einer solchen Siedlung. Die Folge ist, dass die Deutschen zum Weltmeister im Nachbarschaftsstreit geworden sind, denn die heute erforderliche verdichtete Bauweise passt nicht mit dem Bild von großzügiger Weite zusammen.

Abgesehen davon führt die Verkleinerung des Grundstücks auf ca 600 qm zu unsinnigen Qualitätseinbusen. Das Schloss des Leitbildes lag ja im Zentrum eines viele Hektar umfassenden Grundbesitzes in reizvoller freier Landschaft, während das heutige „Schlösschen“ eingezwängt zwischen 5 bis 10 anderen „Schlösschen“ liegt. Der „Park“ mit englischem Rasen besteht nur noch aus einer kaum nutzbaren Abstandsfläche und die unverzichtbaren Parkbäume nehmen dem Haus das ganze Sonnenlicht weg. Der Garten wird von den vielen umgebenden Nachbarhäusern vollkommen eingesehen, so dass für das erhoffte Wohnen im Grünen kaum ein gemütliches Fleckchen übrig bleibt. Von der ursprünglichen Idee, mit der Familie ein freies Leben im Garten zu verbringen, bleibt nur der Block übrig, in dem sich der „Schlossherr“ hinter Gardinen wie in einem Gefängnis verschanzt.

Freistehendes Einfamilienhaus

  • Großes Grundstück, beim gezeigten Beispiel 570 qm
  • Einsichtsmöglichkeit allseits in den Garten siehe Pfeile
  • Außer Garage in der Regel keine Nebengebäude möglich
  • Wenig energiesparend da freistehend
  • Wegen zu lockerer Bauweise wenig öffentlicher Nahverkehr
  • Dadurch total vom privaten PKW abhängig
  • Meist weit entfernte Einkaufsmöglichkeiten
  • Keine Nachbarschaftliche Orientierung
  • Deshalb kein kommunikationsfördernder Städtebau
  • Weltweit gleiches Schema
  • Allgemein beliebt wegen Unkenntnis der Alternativen


Innengartenhaus

Tief in uns existiert aber noch ein ganz anderes Leitbild aus noch früherer Zeit, das wir fast ganz vergessen haben. Es ist das Haus mit einsichtsgeschütztem Wohngarten. Bis vor 200 Jahren war das die übliche Wohnform. Wir finden sie nur noch ganz gelegentlich in denkmalgeschützten Ensembles und haben dann nur selten einen Einblick, da diese Innengärten nicht ohne weiteres eingesehen werden können. Manchmal begegnen uns in Magazinen faszinierende Bilder von solchen Innengärten, nicht nur aus dem Mittelmeerraum sondern auch aus unseren Breitengraden. Diese Wohnform des Hauses mit einsichtsgeschütztem Innengarten war die Wohnform in allen Hochkulturen der Menschheit, in der Antike ebenso wie im Abendland bis zum Jahr 1800, in Fernost ebenso wie im fernen Westen des alten Amerika. Sie hatte außerdem die Eigenschaft, dass die Häuser eine öffentliche Seite besaßen, die mit ihrer geschlossenen Bauweise schöne öffentliche Räume entstehen ließen. Der dadurch zustande gekommene städtebauliche Reiz ist das, was die alten Dörfer und Städte für uns so attraktiv macht, so dass auch heute noch diese Ortsteile für Freizeit, Wochenend und Urlaub so viel Anziehungskraft besitzen. Diese öffentlichen Räume, die gelegentlich auch als Wohnzimmer der Gemeinschaft bezeichnet werden, haben große kommunikative Wirkung.

Innengartenhaus

  • Flächensparende Bauweise z. B. zwischen 260 u.320 qm
  • Hauptvorteil: Einsichtsgeschützter Innengarten
  • Daher sehr hoher individueller Wohnwert
  • Dafür Nötig: Besondere Haustypen
  • Geeignet für bescheidene und aufwendige Bauweise
  • Wegen kompakter Bauweise ökologisch u. a. energiesparend
  • Phantasievolle Siedlungsstrukturen situationsangepasst
  • Individuell gestaltet mit naturnahem Umfeld
  • Mit vielfältigem Nebengebäudekonzept
  • Nachbarschaftlich mit kommunikativem Städtebau (Dorfplätze)
  • Fußwege im Wohnumfeld, daher sehr kinderfreundlich
  • Anlieferung am Haus mit PKW zulässig
  • Für Investoren interessant, da anspruchsvolle Bauherrn
  • Modellhäuser zu besichtigen
  • Unbekannt wegen Mangel an Information

Dieses Leitbild des Wohnhauses mit einer öffentlichen Seite und einer intimen privaten Seite des einsichtsgeschützten Wohngartens kann auch heute noch realisiert werden, wenn wir das Bild vom Schlossherrn zurückstellen und dafür mehr auf die innere Persönlichkeitsentwicklung und die Gemeinschaftlichkeit innerhalb der Nachbarschaft setzen.

Wohnqualität

Wenn wir diesen Gedankengang akzeptieren, ergibt sich hohe Wohnqualität bei niedrigen Kosten. Denn eine solche Wohnform ist flächensparend und ermöglicht einen von uns allen als wertvoll empfundenen Innengarten, der als Wohnzimmer im Freien unsere Wohnqualität erheblich erweitert. Wirklich universal nutzbar wird ein solcher Garten durch Nebengebäude für überdeckte Wohnplätze und Freizeiträume.

Wenn der Grundriss entsprechend geeignet ist, kann man so in Freien den Sommer über essen, arbeiten, Gäste empfangen und auch einen Schlafplatz einrichten. Gehen wir nocheinmal zum freistehenden Wohnhaus zurück, so reduziert sich hier die überdeckte Gartenfläche in der Regel auf eine Nische vor dem Wohnzimmer, welche aber gerade im Sommer kaum genutzt werden kann, da es bei Sonnenschein dort zu heiß ist. Die Nebengebäude bei einem Innengarten können aber so angeordnet werden, dass sich die Familie bei Hitze, Regen und Wind im Garten aufhalten kann und so die Nähe zur Natur und zum Freien wesentlich intensiver nutzen kann. Ein solcher Innengarten wird auch nicht nach dem Leitbild der Parkes mit nur englischem Rasen angelegt, denn hier können romantische Ideen mit viel Blumen, mit Steinen und Wasser realisiert werden.

Wohnqualität erhöht sich auch durch eine bessere Verbindung zur Nachbarschaft. Hier wird keineswegs der Aufhebung der Privatheit das Wort geredet. Im Gegenteil soll gerade dadurch, dass sich der einzelne ganz von der Gemeinschaft und dem sozialen Stress in einen hochwertigen Bereich zurückziehen kann, die Fähigkeit gestärkt werden, dass die Menschen dann wieder offen und gerne aufeinander zugehen können. Die soziale Vernetzung und die Entwicklung von Freundschaften in Wohnnähe fördert viele Bedürfnisse des Wohnens, und dies nicht nur bei gegenseitigen Aushilfen sondern auch durch Erleichterung der Geselligkeit und Freizeitgestaltung. Es gibt bei einigen Planern die Idee der totalen Gemeinschaftlichkeit, nach welcher die Privatheit ganz abgeschafft werden soll. Dagegen spricht die Erkenntnis, dass man die Gartenzäune nicht einreißen soll, wenn man auf gute Nachbarschaftlichkeit Wert legt. In der Tat entstanden in den Siedlungen, in denen durch die Gemeinschaftseuphorie das Private unberücksichtigt blieb, bald großer Streit zwischen allen Beteiligten.

Verkehr und Fußgängerzone

Es entspricht der Qualität von Gemeinschaftsfreiräumen, dass diese als Szenerie abwechslungsreicher Räume von Plätzen, Höfen, Gassen und Passagen gestaltet werden. Solche Räume haben nur einen wirklichen Wert, wenn sie als Fußgängerzonen festgelegt sind. Diese Zonen können Autos nur befahren, wenn sie eine direkte Lieferung an die Haustüre zu erledigen haben. Garagen und Parkplätze liegen außerhalb dieser Zone, in der Parken nicht erlaubt ist. In den konventionellen Siedlungen wünscht der Bauherr sein Auto am Haus. In den öko-sozialen Siedlungen können nur die Häuser ihre Garage am Haus haben, welche an der Zufahrtsstraße am Siedlungsrand liegen. Für die anderen Häuser, das ist meist etwas mehr als die Hälfte sind kurze Fußwege zu den Autostellplätzen und Garagen erforderlich. Für diese Häuser besteht dann aber der Vorteil, dass an den Häusern mehr Ruhe und abgasarme Luft herrscht und dass die Kinder vor dem Haus gefahrlos spielen können.



Das Reihenhaus

Dieser Haustyp ist unbeliebt, weil er als zweitklassig hinter dem freistehende Einfamilienhaus empfunden werden. Beim Reihenhaus ist die Einsehbarkeit besonders ausgeprägt. Da kann man dem Nachbarn vom Balkon aus direkt von oben in die Kaffeetasse schauen. So werden die Gärten meist nur von Kindern benützt. +

Bei der Gestaltung der Gärten stehen die Besitzer unter einem ziemlichen Druck von sozialer Kontrolle. Außerdem sind die Reihenhäuser stereotyp wie aus einer fabrikmäßigen Serienproduktion. Manche Reihenhausbesitzer haben sich durch Pergolen und Bäume dagegen zu schützen versucht mit der Folge, dass die Haupträume nur sehr begrenzt Sonnenlicht erhalten. Die Reihenhäuser treten meist als 4- oder 5-Spänner auf. Dadurch verzichten sie auch auf die Möglichkeit städtebaulicher Raumbildung und sind damit ähnlich kommunikationsfremd wie die freistehenden Häuser. Bei der gleichen Grundstücksgröße kann das öko-soziale Siedlungshaus wesentlich bessere Eigenschaften bieten.

Reihenhaus

  • Flächensparsam aber eingezwängt
  • Hauptnachteil: Einsichtsmöglichkeit allseits in den Garten
  • Dadurch sozialer Stress beim Betreten des Gartens
  • Unpersönlich, schematisch, ohne persönliche Gestaltung
  • Keine Nachbarschaftsorientierung
  • Keine Nebengebäude
  • Weltweit gleiches Schema
  • Unbeliebt, nur Notlösung aus finanziellen Gründen



Besonderheiten des öko-sozialen Siedlungshauses

Der Wunsch nach einsichtsgeschützten Gärten erfordert besondere Planungsmaßnahmen, denn Verdichtung und Einsichtsschutz stellen einen gewissen Widerspruch dar, der gelöst werden will. Außerdem sollte eine große Variationsbreite, unterschiedliche Grundstücksbreite und individuelle Gestaltung ermöglicht werden. So mussten neue Haustypen entwickelt werden.

Je größer die Hausbreite ist, desto mehr Möglichkeiten gibt es. Hier kann man durch Versetzen der Häuser oder mit Nebengebäuden den Sichtschutz erreichen. Auch das sogenannte „Landschaftssiedlungshaus“, das eine besonders ausgeprägte Innenwendung zeigt, ist geeignet. Bei schmalen Grundstücken hat sich das sogenannte „Dorfhaus“ bewährt. Dieses hat einen 80cm hohen Kniestock, so dass das Obergeschoss zum Vollgeschoss mit nur wenigen schrägen Dachflächen im Inneren wird. Der Sichtschutz wird in diesem Fall durch eine 4 m hohe Pergola erreicht, die auf der Südseite direkt am Haus steht. Diese Pergola ist hoch genug, damit der Lichteinfall für die Südräume nicht beeinträchtigt wird, verhindert aber, dass man vom Obergeschoss in den Nachbargarten sehen kann. Auch Höhenunterschiede des Geländes können beim Sichtschutz genutzt werden. Die Häuser sollten weitgehend Südausrichtung haben. Damit der Blick der südlichen Nachbarn eingeschränkt wird, können Nebengebäude, die dazwischen liegen, angeordnet werden.



Das Nebengebäudekonzept

Nebengebäude kommen bei der Bauweise der letzten 100 Jahre nur noch selten vor. In Einfamilienhausgebieten sind sie meist ausdrücklich verboten, da diese ja den Eindruck eines stattlichen Schlösschens beeinträchtigen würden. Die Funktionen eines Nebengebäudes wurden in den Keller verbannt, was bei der Unterbringung von Rädern, Gartenmöbeln etc große Schwierigkeiten bereitet. Außerdem haben Hobbyräume oder auch Gästezimmer im Keller wenig Atmosphäre.

Kommt man wieder zu der alten Gepflogenheit der Nebengebäude zurück, erübrigt sich ein Keller und gestattet viele Wohnbegleitfunktionen wesentlich praktischer. Die Nebengebäude kommen meist auch in den Kosten günstiger oder sie können als zweiter Bauabschnitt weitgehend in Eigenleistung erstellt werden. Für Nebengebäude gibt es viele Möglichkeiten, die teilweise oben schon angedeutet wurden. So können Nebengebäude in der Flucht des Hauptgebäudes stehen. Auf der Straßenseite solcher Nebengebäude können Fahrräder, Kinderwagen etc. untergebracht werden. Auf der Südseite kann ein großzügiger überdeckter Sitzplatz mit direkter Verbindung zur Küche angeordnet werden. Nebengebäude können auch entlang der Nachbargrenze errichtet werden. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass dadurch die Sonneneinstrahlung für den Nachbargarten nicht beeinträchtigt wird. Deshalb dürfen solche Nebengebäude an der Nachbargrenze nicht höher als 1,8 m sein und die Dächer nicht steiler als 30°.

Wenn Nebengebäude auf der Südseite des Gartens angeordnet werden, löst man damit das Sichtschutzproblem zwischen den Bauzeilen und kann eventuell damit städtebauliche Freiräume gestalten. Nebengebäude auf der Südgrenze öffnen sich nach Norden und bringen damit den Vorteil, dass sie im Sommer einen sehr wirkungsvollen Hitzeschutz bieten.

Grundriss

Ähnlich wie beim Siedlungskonzept, das eine Teilung zwischen öffentlichen Gemeinschaftsflächen und und den privaten Bereichen vorsieht, kann auch beim Hausgrundriss die Teilung in familienöffenliche und private Räume erfolgen. Zur gemeinschaftlichen Zone gehört die Diele, die Küche, das große Wohnzimmer und der Wohngarten mit den Nebengebäuden, die möglichst eng beieinander liegen sollen. Die Küche sollte an einer bevorzugten Stelle des Hauses liegen und eine gute Verbindung zum Wohnzimmer haben, damit die Arbeit in der Küche einen höheren Prestigewert erhält, was dazu führt, dass eine Beschäftigung in der Küche nicht als zweitklassige Tätigkeit empfunden wird.

Ein Esszimmer, was typisch für feudale Vorstellungen ist, taucht hier gar nicht mehr auf, denn ein kleiner Essplatz ist in der Küche vorgesehen und den großen Essplatz für Familie und Gäste bildet der große Wohnzimmertisch. Für die Platzersparnis des Esszimmers wird ein sogenanntes ruhiges Wohnzimmer angeordnet, in dem sich die bequemeren Sitzmöbel samt Stereoanlage und Bibliothek befinden. In dem ruhigen Wohnzimmer kann sich die Frau des Hauses ausbreiten oder die Eltern können sich hier zurückziehen, wenn Kinder und Gäste das Wohnzimmer belagern.

Erweiterbarkeit und Teilbarkeit des Hauses

Das Haus kann nach einer ersten sparsamen Bauphase in den Spitzboden, den Dachraum eines Nebengebäudes oder in ein Nebengebäude erweitert werden. Auch die Nebengebäude müssen nicht unbedingt in der ersten Bauphase erstellt werden. Sie können später mit großer Selbstbeteiligung errichtet werden.

Beim Bau des Hauses wird oft der Kinder wegen das ganze Volumen des Hauses benötigt. Später wenn die Kinder aus dem Haus sind oder wenn vielleicht nur ein älter gewordener Elternteil das Haus bewohnt, genügt das Erdgeschoss als Wohnfläche. In diesem Fall soll das Haus so teilbar sein, dass das Obergeschoss ohne Störung der Erdgeschosswohnung vermietet werden kann. Das muss im Grundriss von Anfang an berücksichtigt werden. Bei den meisten konventionellen Einfamilienhäusern ist dies nicht möglich. Auch das sollte beim Grundriss berücksichtigt werden. Außerdem kann es für die Finanzierung sinnvoll sein, dass von Anfang an zwei trennbare Wohnungen eingerichtet werden.

Ökologie

Die potentiellen Bauherrn für eine öko-soziale Siedlung stoßen auf diesen Siedlungstyp zunächst einmal, weil sie grundsätzlich einen Beitrag zur Ökologie leisten wollen. Außerdem sehen sie meistens einen Sinn in der Gemeinschaftlichkeit. Durch die Nachbarschaft soll eine soziale Vernetzung ermöglicht werden, sollen familienfreundliche Strukturen entstehen, sollen Freundschaften mit der Möglichkeit gegenseitiger Aushilfe angeregt werden, sollen gemeinschaftliche Freiflächen entstehen, auf denen die Kinder gefahrfrei das heißt ohne Autoverkehr spielen können, bei denen sie bei den gemeinschaftlichen Anliegen mitentscheiden können und die auch einen Lebensraum in Schönheit und allgemeiner Harmonie entstehen lassen.

In Fachkreisen bezeichnet man ein solches Umfeld als urban, besonders auch dann, wenn Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten integriert sind, was grundsätzlich angestrebt wird. Durch den vorausgehenden Text zieht sich als roter Faden eine optimale ökologische Qualität. Die Häuser können ohne große Mehrkosten als Passivhaus erstellt werden, mit Kosten, die sich nach wenigen Jahren durch Energiekosteneinsparung bereits amortisiert haben. Dazu gehört gehört z. B. eine städtebauliche Konzeption, die als sehr gute Solarsiedlung zertifiziert werden kann. Die gemeinsame Energieversorgung kann durch Wärmekraftkopplung mit nachwachsenden Rohstoffen sicher gestellt werden. Zur Ökologie gehört auch ein entsprechender Umgang mit dem Wasser. Zisternen gemeinschaftlich oder individuell sind meist vorgeschrieben. Damit kann Wasser für WC, Spülung und das Waschen ermöglicht werden. Außerdem wird Wasser für den Garten zur Verfügung gestellt. Alle Freiflächen sind regenwasserdurchlässig.

Ökologie hat nur Sinn, wenn sie auch wirtschaftlich ist. Das wird hier durch kompakte Bauweise und gemeinsames Bauen möglich, auch wenn jedes Haus individuell gestaltet ist. Außerdem ist die Erschließung wirtschaftlich, da diese nur mit Fußwegen erfolgt, auch wenn diese für notwendige Direktfahrten zu den Haustüren befahren werden dürfen. In der Langzeitbilanz ist das Leben in einer solchen Siedlung jedenfalls auch sehr viel kostengünstiger.

Ökologie hat auch mit dem gesunden Haus zu tun. Durch gemeinschaftliche Beratung, Planung und Einrichtung können die Kosten dafür minimiert werden. Dabei geht es um Schutz vor Elektrosmog, Verwendung gesunder Baustoffe und vor allem auch um die verbesserte Möglichkeit, das Wohnen stärker in den Garten zu verlegen. Licht und Luft ist gerade für den in geschlossenen Räumen arbeitenden Menschen ein wichtiger Ausgleichsfaktor. Die Familien, besonders die Kinder, können sich für lange Phasen des Jahres im Freien aufhalten, da der einsichtsgeschützte Garten, die Lage der Küche zum Garten und das umfangreiche Nebengebäudekonzept das Wohnen im Garten attraktiv macht. Nicht nur Essen, Küchenvorbereitungen, Arbeiten, Spielen, Ruhen können so im Freien stattfinden, sondern auch das Treffen mit Freunden findet einen schönen Rahmen. Da zusätzlich das Haus in einem nachbarschaftlich ansprechenden Umfeld liegt, entsteht ein Lebensraum, der auch für Feierabend, Wochenende und Urlaub weite Fahrten unnötig erscheinen lassen.

Damit haben wir schon das Thema Verkehr angesprochen. In einer solchen Siedlung kann man auch ohne Auto leben. Vor allem kann man das heute übliche Zweitauto einsparen. Die Kinder und Familienangehörigen ohne Auto müssen nicht ständig transportiert werden, und die Gesamtsituation soll viele Verkehrsbeziehungen zu Fuß oder mit Rad möglich machen. Dazu gehört eine gute Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Damit ist die Siedlung auch gut für Altenwohnungen geeignet. Die Verbindung der Siedler zur Natur spielt bei Ökosiedlungen eine große Rolle. Die erste Ökosiedlung in Bamberg ist stark begrünt und liegt direkt an einem Landschaftsschutzgebiet. Die zweite am Eichhorn ist an drei Seiten in unverbaubare Natur in Form von Wasserschutzgebiet und Biotop eingebunden, obwohl sie sehr stadtnah liegt und durch öffentlichen Verkehr gut eingebunden ist. Wichtig ist auch das Leben im einsichtsgeschützten Innengarten und die Möglichkeit, zusätzliche Nutzgärten am Siedlungsrand zu pachten, was sich bei der ersten Ökosiedlung bestens bewährte und auch hier angestrebt wird.

© Theodor Henzler, 2005


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